Die Geschichte dieses Hauses beginnt im frühen 14. Jahrhundert. Nachdem König Albrecht I der Hofmark Innichen im Jahr 1303 das Marktrecht verlieh, kamen Kaufleute und Edelmänner, Händler und Reisende in den Ort. Sie wollten verpflegt werden und brauchten Unterkünfte.

Bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts sind seine Eigentümer nicht bekannt. In den örtlichen Annalen ist 1462 Conrad Maus als erster Bärenwirt verzeichnet, dessen Familie bis zum Jahr 1554 in Besitz des Hauses bleibt.

1560, als eine Feuersbrunst beinahe den gesamten Ort zerstört, gelangt der „Graue Bär“ in den Besitz der Familie Dinzl. Ein Jahrhundert später veräußert deren letzter Spross, Michael Dinzl, das Wirtshaus an seinen Schwager Jakob Peintner. Doch die Zeiten sind schwierig: Die Pest und der Dreißigjährige Krieg setzen dem Bären hart zu und Peintners Sohn Josef verkauft ihn 1715 an Andrä Hueber aus Toblach, damals auch Eigentümer des Heilbades „Wildbad“ in Innichen. Hueber aber habe kein großes unternehmerisches Geschick bewiesen und der Gasthof „Zum Grauen Bären“ geht am 3. Jänner 1745 an Andrä Kopfsgueter (1702 – 1784), Metzger und Fuhrmann aus Sillian.
Seither ist der „Graue Bär“ in Familienbesitz und wurde immer auf dem Erbweg weitergegeben.

Eine lange, ereignisreiche Familiengeschichte beginnt. In Andräs Fußstapfen tritt sein Sohn Josef Kopfsgueter (1758 – 1805), der - wie sein Vater ein kluger, umsichtiger Geschäftsmann – den Gasthof erfolgreich weiterführt. Nach dessen allzu frühem Tod wird sein Sohn Andreas Kopfsgueter (1785 – 1853) Bärenwirt. Für seine Verdienste im Tiroler Freiheitskrieg zeichnet ihn Kaiser Franz I. mit der goldenen Verdienstmedaille aus. 1837 übergibt Andreas Kopfsgueter den Gasthof seinem Sohn Josef Bonaventura Kopfsgueter (1811 – 1858). Dieser bleibt kinderlos und setzt seinen Neffen Franz Hellenstainer, Sohn seiner Schwester Anna, als Erben ein.

Franz, dessen Großtante Emma Hellenstainer war, Pionierin der Tiroler Gastronomie und Wirtin des renommierten „Hotel Emma“ in Niederdorf, heiratet Anna Stemberger, Gastwirtstochter aus Bruneck. Dieser Ehe entstammen 8 Kinder.
Die Ehe des ältesten Sohnes Franz mit einer Kellnerin gilt als nicht „standesgemäß“, was zur Folge hat, dass Franz die Nachfolge im Gastbetrieb und der dazugehörenden größten Bauernschaft des Ortes nicht antreten darf. Seine Geschwister schlagen andere Lebenswege ein - zwei von ihnen eröffnen in Innsbruck das Hotel Hellenstainer und den dortigen Grauen Bären - und das Erbe geht an die jüngste Schwester Hedwig Hellenstainer (1871 – 1939).
Die im Ersten Weltkrieg hart umkämpfte Dolomitenfront verläuft in unmittelbarer Nähe Innichens und im Gasthof „Grauer Bär“ wird ein Lazarett eingerichtet. Hedwig nimmt sich der verwundeten Offiziere und Soldaten des österreichisch-ungarischen Heeres fürsorglich an, wofür ihr Seine Majestät der Kaiser die silberne Verdienstmedaille verleiht.

Hedwig bleibt unverheiratet und kinderlos. Im Jahr 1921 trifft sie eine mutige wie auch seltsame Entscheidung: Um ihren Besitz weitergeben zu können, adoptiert sie den jungen Alpini-Offizier Alfredo Benincasa (1897 – 1971). In Caposele in der Provinz Avellino geboren, war er mit dem italienischen Heer nach Innichen beordert worden. Hedwig arrangiert Alfredos Heirat mit Flora Hellenstainer (1904 – 1973), ihrer um vieles jüngeren Cousine und Tochter des Onkels Ferdinand Hellenstainer aus Niederdorf.

Dem Ehepaar Alfredo und Flora Benincasa werden 10 Kinder geboren. Ihre älteste Tochter Hedwig, verehelichte Ladinser, war über lange Jahre Bärenwirtin mit Leidenschaft und im Wissen um seine bedeutende Vergangenheit. Hedwig Ladinser erliegt im Jahr 1987 einem langen Leiden. Heute ist - in neunter Generation seit 1745 - ihr Sohn Franz Wirt im „Grauen Bär“.

Wie aber kam der „Graue Bär“ zu seinem Namen?
Der Ursprung liegt in einer Legende, die in der geistlichen Herrschaft der Freisinger über Innichen ihre Wurzeln hat.
Der heilige Korbinian, Bischof und Gründer des Bistums Freising und mit Candidus Ortsheiliger von Innichen, war auf Pilgerreise nach Rom, als ein Bär sein Lasttier riss. Mit Gottes Beistand gelang es Korbinian den Bären zu zähmen und diesem seine wenigen Habseligkeiten aufzubürden. Treu und ergeben begleitet seither der mit Packsattel dargestellte Bär den Heiligen, in Innichen wie in Freising als Korbiniansbär bekannt.
Verabreden sich Einheimische beim „Grauen Bär“, dann treffen sie sich beim „Tagger“. Das Wort kommt aus dem Mittelhochdeutschen „teidigen“ und bedeutet „übereinkommen“, „gerichtlich verhandeln“. Während man beim „Tagger“ in vergangenen Zeiten also zu schlichten versuchte, trifft man sich dort heute zum Small Talk.

Hier geht's zu unseren Preisen
Hier geht's zu unseren Sommerangeboten
Hier geht's zu unseren Winterangeboten